Baugrößen, Standards und Anschlussvarianten

SSDs im Festplattengehäuse

Aktuell finden Sie im Handel die meisten SSDs in Festplattengehäusen. Sie sollen eine normale Festplatte ersetzen und werden genauso wie eine Festplatte angeschlossen. Aktuell reicht die Geschwindigkeit dieser SSDs noch locker für alle normalen Anwender. Jetzt, im Frühsommer 2014, gibt es aber bereits die ersten Modelle der nächsten Generation: Diese SSDs werden nicht mehr in Festplattengehäuse eingebaut, sondern können direkt oder mit einem Adapter auf die Hauptplatine eines PCs gesteckt werden. Auf diese Bauformen zum direkten Einbau gehen wir -> hier ein. Diese Seite behandelt nur SSDs im Festplattengehäuse, mit denen Sie auch die nächsten zwei Jahre sicher nichts falsch machen.

Baugrößen
SSDs sollen Festplatten ersetzen. Um diesen Vorgang zu erleichtern, werden praktisch alle SSDs in Gehäuse eingebaut, deren Abmessungen und Anschlüsse zu denen von Festplatten kompatibel sind. In der Computertechnik benutzt man für Festplatten und damit auch für SSDs Standardformate mit 2,5 oder 3,5 Zoll Breite. Diese Maße beziehen sich aber alleine auf die früher eingebauten Magnetscheiben. Das Gehäuse eines 2,5-Zoll-Laufwerks ist 70 mm breit und 100 mm lang. Die Dicke beträgt 7 mm oder in Ausnahmefällen auch 9,5 mm. Nur spezielle Laufwerke für ultrakompakte Computer nutzen Laufwerke mit 5 mm Dicke. Ein 3,5-Zoll-Laufwerk misst 102 mm in der Breite und eine Länge von 146 Millimetern, die Dicke liegt meist bei einem Zoll beziehungsweise etwa 25 Millimetern.

Die in SSDs verwendeten Speicherchips sind winzig klein. Theoretisch könnte man alle Kapazitäten in Gehäuse bauen, die deutlich kleiner sind als das einer 2,5-Zoll-Festplatte. Damit passt eine solche SSD in jeden Computer. In Notebooks können Sie die SSD direkt einbauen, bei PCs brauchen Sie gegebenenfalls ein Paar simpler Einbauwinkel aus Kunststoff oder Metall für ein paar Euro. Jede SSD hat seitliche Schraubenlöcher, mit denen sie direkt oder über die Einbauwinkel angeschraubt werden kann, sowie Schraubenlöcher, mit denen sie von unten befestigt werden kann. Oder von oben, einer SSD ist die Einbaulage egal.

In manchen Notebook-Computern wird das Laufwerk einfach nur eingeklemmt, und da bereitet es natürlich Probleme, wenn die SSD dünner ist als die vorher eingebaute Festplatte. Dann ist es fein, wenn der Hersteller zu einer 7 mm dicken SSD einen Kunststoffrahmen beilegt, damit sie eine 9,5 mm dicke Festplatte ersetzen kann.

SATA-Standards
Alle SSDs besitzen ab Werk einen sogenannten SATA-Anschluss. Dieser wurde etwa im Jahr 2000 erstmals vorgestellt und ist seit etwa 2003 in jedem PC zu finden. SATA steht für „Serial Advanced Technology Attachment“ und wurde speziell für die Kommunikation zwischen der PC-Hauptplatine und einer Festplatte erfunden.
In PCs und Notebooks findet man drei verschiedene SATA-Normen mit aufeinander aufbauenden Bezeichnungen:

  • SATA I ist der älteste Standard. Offiziell sollte man ihn „Serial ATA 1.5 GBit/s“ nennen, was aber eigentlich niemand tut. Hier werden theoretisch in beiden Richtungen jeweils 150 MByte pro Sekunde übertragen.
  • SATA II wurde 2006 erstmals in normalen PCs verwendet. Offiziell heißt dieser Standard „Serial ATA 3.0 GBit/s“. Entsprechend der Bezeichnung beträgt die Datenübertragungsrate 300 MByte pro Sekunde pro Richtung.
  • SATA III ist die umgangssprachliche Bezeichnung für „Serial ATA 6.0 GBit/s“, gegenüber dem Vorgänger hat sich die Datenübertragungsrate abermals verdoppelt, so dass die maximale Datenrate bei 600 MByte pro Sekunde liegt.

Mit jedem neuen Standard wurden natürlich auch andere Eigenschaften geändert. So wurden mit SATA II auch neue Funktionen für das Zusammenspiel von Computer und Festplatte eingeführt.
Beachten Sie bitte, dass laut Standardisierungskonsortium die Bezeichnungen SATA I – III ‚unschicklich‘ sind und nicht verwendet werden sollten. Alle anderen Bezeichnungen sind aber so verwirrend, dass wir das trotzdem machen.

Für die maximale Geschwindigkeit einer herkömmlichen Festplatte reicht bereits der Standard SATA I aus. Nur mit Hilfe des internen Cache-Speichers können normale Festplatten überhaupt die Vorgaben des SATA-I-Standards übertreffen. Eine SSD liefert Daten aber so schnell, dass sie im SATA-I-Standard unterfordert wäre. SSDs erhalten Sie deswegen fast immer mit SATA-III-Elektronik, Restbestände gibt es auch noch mit SATA II. Richtig schnelle SSDs kratzen am Limit des SATA-III-Standards, in Zukunft wird man hier also noch schnellere Anschlussvarianten sehen. Vorerst brauchen sich normale Anwender aber um andere Standards als SATA-III keine Gedanken machen.

In der Praxis ist es unerheblich, in welchen Standards die SSD und der Anschluss im PC ausgeführt sind. Halbwegs moderne PCs besitzen je nach Typ, Preis und Hersteller vier bis sechs SATA-Anschlüsse, von denen je nach Preiskategorie einer, zwei, drei, vier oder noch mehr als SATA III ausgeführt sind. Bei einem Notebook hat man sowieso keine Wahl.
Bis auf wenige Restbestände erhalten Sie SSDs nur noch mit SATA III. Grundsätzlich sind alle Mischungen erlaubt. Eine SSD mit SATA III an einem SATA-II-Anschluss eines älteren PCs liefert natürlich nur SATA-II-Geschwindigkeit, und genauso ist es, wenn Sie eine nicht mehr ganz aktuelle SSD mit SATA II an einem SATA-III-Anschluss betreiben. Der Verbund aus Festplattenanschluss und SSD einigt sich immer auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Anschluss
Jedes Festplatten- oder SSD-Laufwerk mit SATA-Interface besitzt die gleichen Anschlussbuchsen. Vom Stecker her ist es also egal, ob Sie eine Festplatte oder SSD nutzen.
Jedes Laufwerk besitzt zwei Anschlüsse, weil die Daten- und die Stromleitungen getrennt sind. Das siebenpolige Datenkabel führt vom Massenspeicher zur Hauptplatine, während das 15-polige Stromkabel natürlich zum Netzteil führt. Verwechseln oder verdreht anstecken kann man die Kabel nicht, weil alle Buchsen und Stecker mit entsprechenden Aussparungen versehen sind, die nur auf die richtige Art und Weise ineinander passen. Diese Aussage gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man keine rohen Kräfte walten lässt: Mit viel Gewalt bekommt man auch diese Stecker verkehrt herum auf die SSDs.

Die schnellsten sind nicht zwangsweise immer die besten
Alle Massenspeicher-Testprogramme sind immer mehr oder weniger synthetisch. Sie ergeben für sehr teure SSDs weit bessere Geschwindigkeitswerte als für günstige, was auch nicht verwunderlich ist. Die tatsächliche Arbeitsgeschwindigkeit eines PCs misst man aber eher mit praxisorientierten Testprogrammen wie beispielsweise der Bapco-Suite, die auf einer Auswahl der meistgenutzten Office-Programme basiert und skriptgesteuert stundenlang normale Arbeitsabläufe eines Büros simuliert. Tests ergeben, dass diese Bapco-Suite auf einem PC, bei dem die Festplatte gegen eine SSD getauscht wird, etwa um 20 Prozent schneller läuft. Wechselt man aber die SSDs, gibt es kaum noch Unterschiede, sogar wenn man ein eher günstiges Modell gegen ein sündhaft teures tauscht.

Auch wenn die Datenblätter von teuren und preiswerten SSDs teilweise enorme Unterschiede bei den maximal möglichen Zugriffen pro Sekunde (IOPS) und den Datenübertragungsraten ausweisen, merkt man diese Differenzen im Regelfall nicht, wenn man die SSDs im PC-Alltag benutzt: Die Unterschiede zwischen sehr schnellen und normalen SSDs wirken sich auf einem herkömmlichen PC oder Notebook einfach nicht mehr aus, so viel schneller sind sie als eine normale Festplatte.

Keine Nachrüstadapter verwenden
Dringend abraten müssen wir von Nachrüstadaptern mit SATA-III-Anschlüssen für Desktop-PCs: Fast alle dieser Adapter sind nicht für schnelle SSDs geeignet, sondern nur Behelfslösungen, um beispielsweise ein optisches Laufwerk mit SATA-III-Anschluss nachzurüsten. Praktisch immer funktionieren diese Adapter schlechter, als wenn Sie eine SATA-III-SSD mit einem fest eingebauten SATA-II-Anschluss verbinden. Wenn Ihr PC nicht mal einen SATA-II-Anschluss hat, sollte Sie die Nachrüstung einer SSD vergessen und lieber einen neuen PC beschaffen.

SSD mit IDE
Früher fand man im Markt auch SSDs mit dem bis ca. 2005 verbauten IDE-Anschluss. Nun würde es ja nahe liegen, einen so alten PC auch mit einer SSD aufzuwerten. Dies ist aber nicht empfehlenswert, weil hier zu viele nicht mehr zeitgemäße Komponenten die PC-Geschwindigkeit drosseln. Einen PC ohne SATA-Anschlüsse können Sie heute beruhigt wegwerfen, von dem kann man nichts mehr brauchen.

SSD mit SAS
SSDs mit SAS-Anschluss (Serial Attached SCSI) sind speziell für hochprofessionelle Serveranwendungen gebaut. Sie passen nicht in normale PCs oder Notebooks und haben deswegen nur für große Serveranlagen Bedeutung.

SSD mit SATA Express
SSDs mit dem Anschluss SATA Express sehen aus wie normale SSDs im Festplattengehäuse, verfügen aber über eine überbreite Anschlussbuchse mit dreimal so viel Kontakten wie normales SATA. Bisherige Tests fielen sehr ernüchternd aus, so dass wir SATA Express aktuell nicht empfehlen können.