Lebensdauer

Nicht auszurotten sind Gerüchte, dass SSDs weniger lange halten als vergleichbare Festplatten. Grundsätzlich: Das ist so nicht richtig.

Diese falsche Aussage kommt vermutlich daher, dass Flash-Speicherzellen grundsätzlich nur eine begrenzte Zahl von Schreibvorgängen verarbeiten können. Einfach erklärt: Jede Flashzelle ist zum Rest des Chips isoliert. Bei jedem Löschvorgang eines Bits wird diese Isolationsschicht minimal beschädigt, so dass nach 20.000 bis 100.000 Löschvorgängen die Speicherzelle theoretisch nicht mehr funktioniert.
Einem solchen Schaden arbeiten einige Mechanismen entgegen: In jeder SSD arbeiten ausgeklügelte Fehlererkennungen, mit denen solche Fehler einzelner Speicherzellen korrigiert werden können. Erweist sich eine Flashzelle wirklich als defekt, schaltet der eingebaute Controller um auf speziell für diesen Zweck reservierte Speicherzellen. Damit die einzelnen Zellen nicht zu oft beschrieben werden, verteilt der Controller alle Daten selbstständig nach ausgefeilten Algorithmen auf der SSD, dies nennt man Wear-Leveling, auf deutsch etwa Abnutzungs-Ausgleich. Es macht also keinen Sinn, eine SSD zu defragmentieren: Sogar wenn man ein entsprechendes Programm ausführt, verteilt der eingebaute Controllerchip die Daten nach seinem Gutdünken und nicht nach dem der Software. Windows 7 und neuere Versionen erkennen selbstständig, wenn man eine SSD einbaut und schalten dann die automatische Defragmentierung ab. Unter älteren Betriebssystemen (von denen wir aus Sicherheitsgründen abraten) sollten Sie die automatische Defragmentierung von Hand abschalten, weil sie nichts bringt außer einer schnelleren Abnutzung der Speicherzellen.
Fast alle Hersteller von SSDs bieten kleine Zusatzprogramme an, die die verbleibende Lebensdauer des Massenspeichers anzeigen. Mit normalen Mitteln ist es nicht möglich, diese Lebensdauer negativ zu beeinflussen, und es ist absolut normal, dass die Lebensdauer nur alle paar Monate um ein Prozent sinkt. Ein Prozent Abnutzung in vier Monaten Gebrauchszeit bedeutet eine Lebensdauer von über 30 Jahren.
In der Praxis ist es deswegen einfach nicht möglich, eine SSD zu Tode zu schreiben.
Ausfälle oder Datenverluste durch SSDs gab es früher aber trotzdem. Schuld daran waren Fehler in den eingebauten Controllern oder in seiner Firmware. Noch Anfang 2012 haben aus diesem Grund die diversen SSD-Hersteller regelmäßig Firmware-Updates für ihre SSDs angeboten. Mittlerweile kann man den SSDs etablierter Hersteller aber eine absolut zuverlässige Funktion bestätigen.
Weil SSDs ohne die filigranen beweglichen Teile einer normalen Festplatte auskommen, sind sie wesentlich unempfindlicher gegenüber Erschütterungen oder Vibrationen. SSDs, die weniger Energie verbrauchen als Festplatten, erzeugen auch weniger Wärme im Computergehäuse, was sich natürlich ebenfalls positiv auf ihre Lebensdauer und die aller übrigen Komponenten auswirkt.

In einem normalen Computersystem mit Windows- oder Linux-Betriebssystem sind SSDs mindestens genauso langlebig wie eine normale Festplatte. In einem Notebook, wo der mechanischen Festplatte jederzeit der Tod durch Erschütterungen droht, dürfte eine SSD im Schnitt deutlich länger halten als eine Festplatte.

Grundsätzlich sind weder SSDs noch Festplatten hundertprozentig zuverlässig. Wir empfehlen deswegen dringend regelmäßige Backups, egal ob Ihr Computer von einer Festplatte oder einer SSD startet.
Von dieser Pflicht jedes Computeranwenders entbinden auch die teuersten und besten SSDs nicht.

Archiv-Anwendungen
So perfekt sich SSDs als normales Arbeitsmedium eignen, so wenig sind sie geschaffen für die Langzeit-Archivierung. Die Abermilliarden Speicherzellen verlieren nämlich irgendwann ihre Ladung. Im normalen Gebrauch wird dies vom eingebauten Controller erkannt, er verteilt die Daten dann neu und frischt so die Ladungsniveaus wieder auf. Wenn Sie eine SSD aber mit wertvollen Daten bespielen und sie dann im Tresor einschließen, kann genau das nicht passieren. In diesem Fall wird es passieren, dass die Daten auf einem jahrelang nicht benutzten Medium nicht mehr gelesen werden können. Normale Festplatten werden also nicht restlos von SSDs verdrängt, zur Archivierung braucht man sie auch weiterhin.